Hallo,
ich bin auf einen Dienst für Arztpraxen gestoßen, der sich DokuAssistent nennt. Damit kann man alle Gespräche in einem ärztlichen Behandlungszimmer aufzeichen, transkribieren und in die Patientenakte eintragen lassen. Es handelt sich um ein KI-System mit dem Zweck, das lästige Protokollieren von Gesprächen zu sparen.
Ein Patient kommt mit Schmerzen beispielsweise zu einem Zahnarzt. Selbst wenn der Arzt um eine Einwilligung zu dieser Verarbeitung bittet - würde der Patient diese nun verweigern? Ist die Zustimmung wirklich freiwillig? Weigert er sich, muss der Arzt oder ein Mitarbeiter die Tipparbeit übernehmen, die er eigentlich loswerden wollte und der Patient wird vielleicht nicht so gut behandel. Zudem steht auf entsprechender Webseite, dass eine Einwilligung auch gar nicht so wichtig ist, oder so ähnlich: “Die Entscheidung, ob eine ausdrückliche Einwilligung des Patienten (und ggf. dessen Begleitpersonen) benötigt wird, liegt grundsätzlich beim Leistungserbringer als datenschutzrechtlich Verantwortlichem. Hierbei können auch Art und Weise der Nutzung eine Rolle spielen. Grundsätzlich kann das Produkt sowohl mit als auch ohne Einwilligung verwendet werden.”
Vielleicht hat sich der datenschutzfürsorgliche Arzt sogar eine ordentlichen Einwilligung irgendwann unterzeichnen lassen. Zur nächsten Vorsorgeuntersuchung Monate später sitzt ein Patient mit Begleitperson (die nicht eingewilligt hat) im Behandlungszimmer und wartet auf den Arzt. Denkt dieser Patient noch daran, dass alles was er nun spricht, aufgenommen wird? Oder aber, falls er daran denkt, redet er dann später mit dem Arzt offen über alle Beschwerden oder läßt etwas weg, weil er sich “abgehört” fühlt ? Ist die Patienten - Arzt - Beziehung dann vielleicht nicht mehr so “natürlich” wie sie sein sollte?
Gerade in Arztpraxen geht es um Gesundheitsdaten und dieser DokuAssistent wird nicht nur Informationen aufzeichnen und “strukturiert zusammenfassen”, die für die Behandlung absolut notwendig sind. “Ob Anamnese, Befund oder Therapie - alles Gesagte wird erfasst, ohne Smalltalk einzubeziehen.” Muss eine schlaue KI sein, wenn sie das alles auseinander halten soll.
Die Aufnahmen werden nach 30 Tagen gelöscht “um DSGVO-Konformität zu garantieren”. Und ich dachte immer, da gehört mehr dazu… Wo die Aufnahmen diese 30 Tage gespeichert sind, wird irgendwie nicht erwähnt, aber wahrscheinlich auf jeden Fall DSGVO-konform.
Wie werden solche Systeme in diesem Forum bewertet? Bin ich zu kritisch?