Führen Tätowierungen zu einem biometrischen Datum (Art. 9)?

In einer Diskussion kam die Frage auf, ob Tätowierungen zu einem so eindeutigen Merkmal werden könnten, dass sie als biometrisches Datum einzustufen sind.
Ich bin etwas hin und hergerissen. Gäbe es eine Datenbank mit Fotos auffälliger Tätowierungen, könnte man darüber sicherlich sehr leicht Personen identifizieren.
Andererseites sind Tätowierungen vom Ursprung ja nicht wirklich “biologisch” entstanden und können auch wieder verändert oder entfernt werden.
Wie ist denn die Meinung im Forum oder hat jemand schon einschlägige Entscheidungen oder Kommentare parat?

Solche Datenbanken gibt es - zumindest bei den Strafverfolgungsbehörden (soweit ich weiß).

Das es sich bei Tattoos um pbD handelt ist denke ich klar.

Nach Art 4 Nr 14 DSGVO sind besondere Verfahren notwendig um diese Daten zu identifizieren. Das würde ich bei einer Fotodatenbank nicht so sehen.

Daher verneine ich Tattoos als solche als biometrisches Datum. Erst in der Kombination mit anderen Daten könnte es als solches zu werten sein.

Aber das ist nur meine Ansicht.

Es ist tatsächlich definiert und im Einsatz. Ich gehe davon aus, dass im datenschutzrechtlichen Rahmen auf die technische Spezifikation und Beschreibung der Technologien zurückgegriffen werden muss, ähnlich wie beim Stand der Technik.

In ISO/IEC 2382-37:2017 werden in Punkt 3.1.2 Definition und Beispiele genannt:
https://www.iso.org/obp/ui/#iso:std:iso-iec:2382:-37:ed-2:v1:en

Diese Beispiele werden gemeinhin genutzt, so auch im “Positionspapier zur biometrischen Analyse” der Datenschutzkonferenz. Sie bilden aber keinen abschließenden Katalog, denn zu den Charakteristiken, Merkmalen, Eigenschaften zählen auch Narben, Male und Tattoos; nachzulesen in verschiedenen NIST Special Publications (SP 500-245 ANSI/NIST-ITL 1-2000, SP 500-271 ANSI/NIST-ITL 1-2007, SP 500-290 Edition 3 ANSI/NIST-ITL 1-2011).
https://www.nist.gov/publications/data-format-interchange-fingerprint-facial-other-biometric-information-ansinist-itl-1-1

Bei biometrischen Merkmalen wird immer Zusatzwissen benötigt. Die Iris, der Fingerabdruck, die Stimme … muss einer bekannten Person zugeordnet werden. Es sei denn, man erstellt eine reine Bilddatenbank, so wie es Clearview mal eben machte. Das ist bei biometrischen Systemen zur Identifikation / Authentifizierung aber nicht der Fall. Deren Sinn besteht darin, die extrahierten Merkmale eindeutig einer Person zuweisen zu können. Mehr oder weniger erfolgreich.