Einwilligung oder Querulant?

In vielen Situationen im Alltag bekommt man ein Einwilligungsformular hingeschoben mit der Aussage: “Hier müssen Sie noch unterschreiben wegen dem Datenschutz. Sie kennen das ja - es ist nervig, muss aber sein.” Wenn man dann zögert, weil man schon erkennt, dass es nur um die Datenweitergabe an den Mutterkonzern zur werblichen Ansprache geht, heisst es, dass man sonst keine Kontaktdaten speichern dürfte und somit nicht informieren könnte, wenn die Ware da oder der Service fertig ist.
Bei dem Druck, der da oft aufgebaut wird, kann man schon fast vermuten, dass dort Provisionen vom Mutterkonzern für unterschriebene Einwilligungen gezahlt werden.
Und wenn man dann doch standhaft bleibt und nicht unterschreibt, braucht man zu diesem Unternehmen eigentlich nicht mehr hingehen, da man fortan wie Kunde zweiter Klasse - Querulant eben - behandelt wird.
Ich frage mich, was wir gegen einen solchen “Mißbrauch” des Datenschutzes machen können? Oder müssen wir hier tatenlos zuschauen, wie der Datenschutz in den Dreck gezogen wird und die Menschen, die sich nicht täglich damit beschäftigen, einen immer schlechteren Eindruck bekommen?

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Da hilft nur Transparenz schaffen und die Leute informieren wie es richtig sein sollte - auch die Endnutzer.

Also keine 3km langen Datenschutzhinweise. Sondern endlich mal die One-Pager gerne mit standartisierten Piktogrammen (z.B. eine Uhr für die Speicherdauer unter der dann z.B. 6 Monate steht) etc.

Diese Infos sind ja auch mit das Ziel von betrieblichen Datenschutzschulungen - hier sollen die Leute ja auch fürs echte Leben mit enabled werden.

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Ja, das habe ich auch schon erlebt. Läuft in etwa so ab:

  • “Das hier müssen Sie noch unterschreiben wegen dem Datenschutz. …" *Zettel rüberschieb*
  • “Ich muss gar nichts.” *Zettel zurückschieb*
  • “Doch sonst dürfen wir Sie nicht anrufen, keine Termine ausmachen …” *Zettel rüberschieb*
  • “Selbstverständlich dürfen Sie das, wir haben ein Vertragsverhältnis. Und das hier ist für Markt- und Meinungsforschung und Werbeansprachen.” *Passus auf dem Zettel zeig*
  • Verständnisloser Ausdruck beim Gegenüber. “Das kommt von ganz oben. Ich kann da nichts machen.”
  • “Dann unterrichten Sie ganz oben bitte darüber, dass Einwilligungen auf Freiwilligkeit beruhen. Das ist das Gegenteil von müssen.” *Zettel zurückschieb*
  • Überraschte Ratlosigkeit beim Gegenüber.
  • “Tja. Sie haben das Pech, dass Sie an einen Datenschutzbeauftragten geraten sind.”

Normalerweise folgt dann eine kurze Aufklärung über den Inhalt des “Zettels”, Wesen einer Einwilligung und Erlaubnisse im Rahmen eines Vertrags. Manche hören zu, manche schalten ab. Bisher hatte ich aber immer den Eindruck, die Leute wüssten es nicht besser. Wie ein Kunde zweiter Klasse wurde ich noch nicht behandelt. Es ist eher die beim Datenschutz bekannte Reaktion: “Kunde ist etwas seltsam.”. Hm. Vielleicht auch Querulant.

Ich denke, die Ursache liegt zum Einen im Unwissen und zum Anderen in der grundsätzlichen Einstellung zum Datenschutz. Manche halten Datenschutz für Unsinn und diese kann man nur sehr selten vom Gegenteil überzeugen. Lustigerweise gehören auch jene dazu, die ihre Briefe schreddern, damit die Adresse nicht im Papiermüll landet. Gegen Unwissen aber kann man etwas tun. Ob eine Vor-Ort-Aufklärung etwas bewirkt, kann ich nicht sagen. Vielleicht bei denen, die daran interessiert sind oder gerade ein offenes Ohr haben. Eine zusätzliche Möglichkeit sehe ich darin, den DSB der Firma in freundlicher Weise auf das Problem hinzuweisen, so dass er/sie/es bei der Schulung darauf eingehen und/oder interne Prozesse anstoßen kann. Ich denke noch immer, dass die Aufklärung bei den Menschen - diesem Gegenüber, der Basis - ein richtiger Weg ist. Denn ich habe auch schon erlebt, dass sie mit solchen Dingen zu mir kommen oder bei ähnlichem aufmerken, eben weil sie etwas anderes gelernt haben.

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Ich bin da eigen: “Ich will keine Werbung”. Fertig. Habe keine Lust auf Basisarbeit.

PS: Schön Dich wieder zu lesen, bdsb. VG

Solche Dialoge habe ich auch schon gehabt. :+1:

Gerne bei Ärzten, DS-Erklärung zum Unterschreiben. Wurde ihnen so von einem medizinischen Verband geraten.

Entsetzte Gesichter gibt es sowohl bei o.g. Reaktion als auch wenn ich eine Kopie eines unterschriebenen Zettels fordere.

Problem ist, dass vorallem in der Anfangsphase viel Unsicherheit herrschte und lieber mit Kanonen auf Spatzen geschossen wurde.
Wie so oft, Aufklärung hilft. Habe häufig positive Ressonanz von den Ärzten bekommen, wenn ich das angesprochen habe.

Ja ich kenne die Dialoge auch.

Bei mir kommt das auch mal vor wenn ich irgendwelche Anrufe bekomme, die das verkaufen wollen. Da frage ich die Damen und Herren aus dem CallCenter gerne nach der Datenherkunft und oft ist dann das Verkaufsgespräch zu Ende.

Aber die Mitarbeiter im Call Center können da ja nix für.